MatriWiki

Herrschaft ist eine geschichtlich relativ späte Erfindung und typisch mit der EntstehungDesPatriarchats verknüpft.

Die Struktur von Herrschaft wurde von Christian Sigrist klar definiert als die Verbindung von

  • Befehlen auf der einen Seite und
  • Gehorchen auf der anderen Seite.

Die befehlende Person erreicht Gehorsam auf der anderen Seite nicht auf der Basis von Freiwilligkeit, sondern durch Zwang. Damit sie Gehorsam erzwingen kann, braucht sie einen Erzwingungsstab, nämlich Leute, die ihre Befehle mit Gewalt bei anderen gegen deren Willen durchsetzen.

Erzwingungsstäbe sind zum Beispiel Krieger, Polizei, Militär, Justiz, Gefängnisse, Steuerbehörden, Ämter und so weiter. Mit Gewalt ist dabei nicht nur diejenige gemeint, die über Faust, Speer, Schwert und Gewehr durchgesetzt wird (direkte Gewalt), sondern auch die verdeckte und legalisierte Gewalt, die Menschen - insbesondere Frauen - dazu zwingt, Dinge zu tun, die sie eigentlich nicht tun wollen (strukturelle Gewalt).

Das alles gehört zum Erzwingungsstab, und die Existenz eines solchen Erzwingungsstabes ist das Kriterium für Herrschaft.

Denn durch einen Erzwingungsstab kann ein Mensch oder eine Gruppe anderen den eigenen Willen aufzwingen, das heißt, sie beherrschen. (Quelle Göttner-Abendroth)

Pierre Clastres definiert Gesellschaften mit zwangsausübender Macht (Patriarchate) als historische Gesellschaften, während Gesellschaften ohne einen machtausübenden Zwangsapparat (herrschaftsfreie) als "geschichtslose Gesellschaften" gelten. (Clastres, 1976. 24 II)

Die meisten geschichtslosen Gesellschaften sind sozial kaum geschichtet, also ohne Hierarchien, und ohne autoritäre Macht.

Dem Stammesoberhaupt (z.B. Matriarchin, Häuptling) werden bestimmte Wesenseigenschaften zugesprochen: Er/Sie? ist erstens die friedensstiftende, mäßigende, vereinende Instanz nach der Grundlage eines "consensus omnium" und genießt uneingeschränktes Vertrauen bei den Stammesangehörigen.

Zweitens muss er (im Falle eines Häuptlings) großzügige Geschenke machen und drittens ein vorzüglicher Redner sein, der seine Redebegabung insbesondere zu friedensstiftenden Zwecken einsetzen sollte.