Was ein Matriarchat nicht ist:
- [Frauenherrschaft]
- eine Utopie
- eine Gesellschaft ohne Männer
Andere Bezeichnungen für matriarchale Gesellschaften sind:
- Naturvölker
- Stammesgesellschaften
- indigene oder eingeborene Völker
- primitive Völker
- Wilde (Z.B. nach Malinowski)
- Regulierte Anarchie (nach Christian Sigrist)
- egalitäre Konsensdemokratie (nach Thomas Wagner)
Kennzeichnende Merkmale:
In Matriarchaten gelten die Prinzipien der Selbstorganisation (Subsistenz), die in der ethnosoziologischen Forschung als typisch für die regulierten Anarchien segmentärer Gesellschaften aufgezeigt wurden.
Das beinhaltet bestimmte Formen der Konfliktregulierung, die ohne Herrschaftsinstanzen (Zentralinstanzen) auskommen. Dabei ist besonders die Art und Weise, wie ganz bewusst gesellschaftliche Egalität immer wieder hergestellt wird, zu beachten.
- der biologische Vater und die biologische Mutter haben keine Bedeutung oder spezielle Funktion
- das Leben findet in der Großfamilie (Clan) statt, die gemeinsam in einem Clanhaus wohnt
- ein Dorf besteht aus mehreren Clanhäusern und einem Versammlungshaus
- alle im Dorf sind miteinander verwandt und bilden eine Sippe
- mehrere Sippen/Dörfer bilden einen Stamm
- alle im Dorf leben von Subsistenzwirtschaft und sind daher unabhängig von außen
- diese Ökonomie kennt evtl. Tausch, aber kein Geld (Zahlungsmittel).
- Garten- und Ackerbau wird im Dorf und auf dem umliegenden Land betrieben; das Land wird genutzt, kann aber nicht besessen werden, es gehört der Erde.
- Leben in Zyklen: alle Handlungen - wie Feldarbeit, Schafschur, Feste feiern, ein Webstück herstellen - finden im Rhythmus der Jahreszeiten statt und spiegeln diese wieder.
- die Älteren lehren die Jüngeren (Heilkunde, Garten- und Ackerbau, Tierpflege, Töpfern, Weben, Kochen, Geräteherstellung, Fischen, Fallenstellen usw.)
- Ältere Jungen und Mädchen kümmern sich um die kleineren, versorgen sie, kuscheln und spielen mit ihnen. Kinder lernen von den Nächstälteren.
- Bei manchen Völkern leben Kinder und Jugendliche unabhängig in einem Kinderhaus (Kinderdemokratie), wenn sie das wollen.
- "Ehen" sind Verbindungen wirtschaftlicher Art, ein Vertrag der gegenseitigen Hilfe zwischen Clans.
- Die Schwestern einer Generation "heiraten" die Brüder eines anderen Clans.
- Liebesverhältnisse sind unabhängig davon; sie können kurz oder ein Leben lang sein.
- Alle Entscheidungen finden auf Konsensbasis statt (Konsensdemokratie).
- Es gibt keinerlei Hierarchien.
- Niemand wird zu etwas gezwungen, auch Kinder nicht (Selbstbestimmung). Keine Erziehung zu Gehorsam. (vgl. [Selbstbestimmte Kinder])
- Es gibt weder bei Kindern, noch bei Erwachsenen sexuelle Einschränkungen irgendwelcher Art.
- Für junge Mädchen und Frauen gibt es wirksame Verhütungsmittel zur Geburtenregelung.
- Ein Stamm hat immer so viele Nachkommen, wie er verkraften kann bzw. wie er zum Überleben braucht.
[Ausführliche Artikel] zu diesen Stichpunkten und umfassende [Beschreibung Matriarchat]
Der Begriff
Der Begriff Matriarchat ist eine Nachbildung aus dem 19. Jahrhundert und entspricht etymologisch Bezeichnungen wie Patriarchat, Monarchie, Hierarchie usw. (griechisch mêtêr Mutter und archê Anfang, Ursubstanz, erst später auch Herrschaft).
Als die ersten Ethnologen und Matriarchatsforscher begannen, sich mit Völkern zu beschäftigen, die Matrilokalität und Matrilinearität aufwiesen, zogen sie fälschlicherweise den Schluss, dass Mütter die Herrscherinnen sind, analog zu ihrer eigenen patriarchalen Kultur. Die moderne Matriarchatsforschung stellte diesen Fehlschluss in den sechziger Jahren des 20. Jahrhunderts richtig und erforscht seitdem dieses Feld.
In der Wissenschaft wird der Begriff Matriarchat beibehalten, obwohl er manchmal als "Mutterherrschaft" oder "Frauenherrschaft" missinterpretiert wird; beides hat es nach heutigem Forschungsstand nie gegeben. Matriarchat wird heute im Sinn von "mütterlicher Anfang", Beginn eines Kreislaufs, verwendet, weil diese Gesellschaften vom zyklischen Denken geprägt sind im Unterschied zu linear. (Siehe auch Wörterbucheintrag zu [Matriarchat])
Der Terminus Patriarchat hat eine ähnliche, und doch ungleiche Bedeutung: da patri von lat. pater, zurückgehend auf indogerm. peter, "Vater" kommt, wäre die Übersetzung "am Anfang die Väter", was aus der Perspektive des patriarchalen Paradigmas korrekt ist und unter der Berücksichtigung, dass das Patriarchat um 5000 v.u.Z. seinen Ursprung hat. Ab diesem Zeitraum beginnt die patriarchale Geschichtsschreibung (Antike), als die Väter die Herrschaft übernahmen und die Entscheidungen trafen, nicht gemeinsam mit "den Müttern" sondern an ihrer statt. Daher veränderte sich die Wortbedeutung des gr. Verbs archeín zu "der erste sein, die Herrschaft haben" (vgl. auch Monarchie oder Hierarchie), und ist die spätere Definition. Heute verstehen wir unter Patriarchat "die Herrschaft der Väter".
Ethymologische Entwicklung von archeín: Ursprung, am Anfang sein - der Erste sein - die Nase vorn haben - der Erste "Oberste" sein - Herrscher sein.
Siehe auch Arche
Weitere Stichwörter
Weblinks
- [Das Rätsel um Matriarchat und Patriarchat ]
- Neueste Beiträge auf [Matriarchat.Info]
Patriarchale Auffassung
